Apitherapie – ein Überblick

Bienen am Einflugloch zum Bienenstock

Dies ist der erste Teil der Serie über die Apitherapie. Es werden weitere Blog-Posts zu den einzelnen Produkten und ihren Anwendungsformen folgen. Dieser Post soll erst einmal nur einen Überblick über die Apitherapie geben.

Die Apitherapie ist schon sehr alt. Seit über 6000 Jahren wenden Menschen Bienenprodukte an. Vieles davon ist Erfahrungswissen alteR NaturheilkundlerInnen, doch inzwischen gibt es auch reichlich Studien zu dem Thema. Alleine zum Suchwort „Honey“ gab es am 19.2.2021 13.372 Einträge auf Pubmed.gov (eine öffentlich zugängliche Datenbank für veröffentlichte Studien).
Und [[Honig]] ist nur ein Teil der Apitherapie.
In West- und Mitteleuropa ist viel von dem Wissen verloren gegange, in Osteuropa, gerade in ländlicheren Gebieten ist das Wissen und die Erfahrung aber nach wie vor im Gebrauch. So haben in ländlichen Gebieten Rumäniens viele Ärzte eigene Bienenvölker, um die Bienen und ihre Produkte anwenden zu können (siehe Filmtipp am Ende des Bolgs).
Rumänien und umliegende Länder haben schon zu Zeiten der Römer sehr viel Honig und Bienenprodukte exportiert. Dort ist das Wissen über die Apitherapie noch sehr lebendig, und kann an der Universität als ein Fachgebiet bei dem Medizinstudium gewählt werden.

Einer der aktuell versiertesten Fachleute ist Dr. med Stefan Stangaciu (Hausarzt, Spezialist für Apitherapie, Präsident des deutschen und des rumänischen Apitherapiebundes und General-Sekretär der „International Federation of Apitherapy“). Er sagt:

„Heute wissen wir, dass bei mindestens 500 verschiedenen Krankheiten Vorbeugung, Besserung und Heilung durch Bienenprodukte möglich ist. Und deren Anwendung ist denkbar einfach.“

 

Apitherapie - Heilen mit Bienen

Biene an weisser Kleeblüte

Bei Bienen denken viele Menschen auf der einen Seite nur an Honig und Bienenwachs, auf der anderen Seite nur ans gestochen werden. Aber was genau versteckt sich nun hinter dem Begriff der Apitherapie? Und welche Produkte ausser Honig und Wachs umfasst das?

Apitherapie leitet sich vom lateinischen Wort für Biene „apis“ ab. Es umfasst die Heilmethoden, die zur Linderung, Prävention und Heilung von Beschwerden und Krankheiten eingesetzt werden. Die Apitherapie umfasst alle Produkte, die Bienen herstellen, bzw. die durch Bienen entstehen:

  • Honig – süßes Superfood mit rund 200 Inhaltsstoffen.
  • Pollen – Blütenstaub, der von den Bienen als Eiweißnahrung gesammelt wird.
  • Bienenbrot – Verdichteter und fermentierter Pollen zur Fütterung der Brut.
  • Propolis – Kittharz, das die Bienen aus Baum- und Knospenharzen herstellen und zur Desinfektion und Abdichtung verwenden.
  • Gelée Royale – Weiselfuttersaft, den die Bienen zur Fütterung ihrer Larven und ihrer Königin produzieren.
  • Apilarnil – ein Homogenat aus Dronen (männlichen Bienen) ist noch relativ neu (ab1980) und noch nicht weit verbreitet.
  • Bienenwachs – von den Bienen abgesondertes Wachs zum Bau der Waben.
  • Bienengift (Apitoxin) – kann auch gezielt medizinisch eingesetzt werden.
  • Bienenstockluft oder auch Bienenluft, Stockluft – Inhalaltion der Luft aus den Bienenstöcken.

Bienen sind wahrscheinlich die ältesten Nutztiere der Menschheit. Und sie haben das selbe Problem wie viele Heilpflanzen: Sie können nicht zum Arzt gehen. Und daher müsse sie, um sich selber zu schützen, heilsame und schützende Stoffe selber herstellen. Und genau wie bei Heilpflanzen können wir diese heilenden Stoffe auch für uns Menschen nutzen. Ausserdem landen über die gesammelte Stoffe (Blütenstaub (Pollen), Nektar, Harz) viele aktive Inhaltsstoffe im Bienenstock.
Dazu kommen dann noch Stoffe der Bienen selbst, vor allem Enzyme. Es entstehen konzentrierte Produkte zahlreicher Substanzen, die unter anderem antiseptisch sind, schmerzstillend, antibiotisch, antimykotisch (Pilzhemmend), usw.
Die Apitherapie ist eine ganzheitliche Naturheilkunde, die sich sehr gut mit anderen natürlichen Heilmethoden kombinieren lässt (Pflanzenheilkunde, Aromatherapie, Akupunktur & -pressur, Ayurveda, TCM, usw.).

Grundlegende Regeln zur Apitherapie

  • Wie bei allen natürlichen Stoffen sollten auch die Produkte der Apitherapie frisch und organisch sein. Bei weiterer Verarbeitung, vor allem im industriellen Bereich, gehen viele wertvolle Inhaltsstoffe verloren.
  • Die Wirksamkeit der Bienenprodukte hängt stark von Herkunft, Zusammensetzung, Qualität und Lagerung ab.
Biene auf einer Blüte
  • Dosierung und Anwendungsdauer richten sich nach Bedarf, Alter, Gewicht und den persönlichen Befindlichkeiten der behandelten Personen. Lieber mit geringen Dosen starten und langsam herantasten.
  • Wie immer in der Naturheilkunde reagiert jeder Mensch individuell auf die jeweiligen Produkte. Angaben in Büchern und Studien geben einen Durchschnitt wieder, in dem sich nicht jeder Mensch immer wieder findet.
  • Bienenprodukte sind Naturprodukte und können je nach Jahreszeit, Jahr, klimatischen Bedingungen und Region unterschiedlich ausfallen. Wie bei der Phyto- und Aromatherapie ist aber gerade das ein Vorteil, weil sich so z.B. keine Resistenzen bilden können gegen antibiotische Stoffe u.ä.
  • wie so oft in der Naturheilkunde ist auch die Apitherapie kein Wundermittel, dass über Nacht alle Beschwerden hinweg fegt. Gerade bei Problemen die sich über einen langen Zeitraum aufgebaut haben, bzw. bei chronischen Beschwerden dauert auch die Behandlung entsprechend lange.
  • Die Apitherapie wird mit anderen Therapieformen kombiniert. Von der Schulmedizin (Allopathie), über Akupunktur und Ayurveda bis hin zur Homöopathie.
  • Klassischer Weise werden Maßnahmen der Apitherapie erst dann gesetzt, wenn der oder die zu Behandelnde seinen oder ihren Körper entgiftet hat. Z.B. durch Diäten, Fasten, und Darmreinigung.
  • Wichtige therapeutische Maßnahmen zur Verbesserung der Wirkung sind Entspannung, Schlafförderung und die Verbesserung der Durchblutung.

Die Kombinationen

Honigwabe in Nahaufnahme

Zusammen wirkt es besser!

Apitherapie ist wie gesagt kein Allheilmittel. Und auch kein alleiniges Heilmittel. 

Die beste Wirkung erziehlt man in der Regel in Kombination mit anderen Naturheilkundlichen Behandlungen:

 

Apitherapie und Phytotherapie

Die Kombinationen zwischen Apitherapie und Phytoterapie sind sehr zahlreich. Das reicht von der einfachen Anwendung einen guten (Heil-) Kräutertee mit Honig zu süßen, oder Salben aus Kräutertinkturen mit Bienenwachs einzudicken. Doch auch der Honig lässt sich gut in Hautpflegenden Cremes und Körperpflegeprodukte (so weit sie überhaut gebraucht werden) integrieren.
Noch spezieller kann man dies gestalten wenn mann es schafft Bienenprodukte zu bekommen, die aus den selben Pflanzen sind, wie die Phytomedizin. So sind z.B. ähnliche Wirkstoffe wie in Lavendelprodukten auch in Lavendelhonig drin. Oder es lässt sich ein Lindenblütentee noch einmal mit Lindenblütenhonig oder -pollen aufwerten.

Honig, Zitronenscheiben, Zimtrollen und Gänseblumenblüten, nett arrangiert

Apitherapie und Aromatherapie

In einer gewissen Weise ist die Apitherapie schon ein Teil der Aromatherapie, da die Bienenprodukte einen gewissen Anteil ätherischer Öle beinhalten. Ein Teil der Wirkung der Bienenprodukte geht auch auf diese aromatischen Verbindungen zurück. Von manchen Herstellern gibt es sogar „Bienenwachs“ oder „Bienenwabe“ als ätherisches Öl, ein Duft den vor allem Kinder lieben.
Als Kombination gibt es auch hier verschiedene Herangehensweisen. So kann man z.B. Honig und Propolis zur Inhalation aufbereiten und mancherorts wird auch mit Propolis geräuchert.
Auf der anderen Seite ist Honig auch ein guter Emulgator. Das heisst, er verbindet Öl mit Wasser, so dass man sich mit ätherischen Ölen und Honig ein wohltuendes Bad einlassen kann. Auch lassen sich Bienenprodukte zusammen mit ätherischen Ölen gut in der Körperpflege kombinieren. Oder auch ein Tropfen Öl (in einer Qualität, dass es für die innere Einnahme zugelassen ist) mit einem Teelöffel Honig gemischt, z.B. als Alternative zu Hustensaft.
Auch hier gilt wieder: gleiches hilft bei gleichem. Hat man im Winter beispielweise mit den Atemwegsproblemen und Erkältung zu schaffen, und weiss, dass Tannenöl, -tinturen und -auszüge helfen, kann man dies besonders gut mit Tannenhonig unterstüzen.

Eine ganz besondere Anwendung ist die Bienenstockluft. Sie enthält viele ätherischen Öle, aber auch viele andere antimikrobielle Stoffe und ist gut für Atemwegs- und Hautkrankheiten.

Apitherapie und TCM

Honig mit Wabe auf einem Holztisch

Die TCM (traditionelle chinesische Medizin) ist eine Behandlungsweise die von der westlichen, schulmedizinisch geprägten Sichtweise sehr stark unterscheidet. Der Mensch (Patient) wird immer ganzheiltich gesehen und es geht viel um das Qi (Lebensenergie), um Yin und Yang und um die 5 Elemente, oder auch die 5 Wandlungsphasen. Diese stehen für 5 Organe bzw. Funktionskreise von Leber, Herz, Milz, Lunge und Nieren. Diesen Wandlungsphasen, bzw. Elementen werden die Bienenprodukte wie folgt zugeordnet:

  • Holz: Pollen und Bienenbrot
  • Feuer: Bienengift
  • Erde: Honigtau und Honig
  • Metall: Propolis und Bienenwachs
  • Wasser: Gelée Royale (und Apilarnil)

Dementsprechend kann bei der Behandlung der Leber (Wandlungsphase „Holz“) gut mit Pollen- und Bienenbrotprodukten unterstützt werden.

Apitherapie und Akupunktur / Akupressur

Eigentlich gehört die Behandlung der Akupunkte mit zu der TCM. Ich möchte sie trotzdem separat aufführen, denn hier gibt es eine ganz besondere Kombination: die „Apipunktur“. In der Apipunktur wird das „Bienengift“ direkt an den Akupunkten eingesetzt. Das ist nichts für schwache Nerven, denn in der klassischen Behandlung werden schlicht und ergreifend die Bienen direkt an den Akupunkten zum stechen angesetzt.
Das Bienengift wurde seit je her auf diese Art mit lebenden Bienen eingesetzt, für uns neu ist hingegen die Kombination mit dem Wissen der Meridiane und der Akupunkte. Die Apipunktur wird aber auch in China eingesetzt.
Die Funktion bzw. Wirkung ist ähnlich der des Abbrennens von Moxakegeln bzw. Moxazigarren. Allerdings hält die Wirkung, bzw. der Reiz nicht nur ein paar Stunden an, sondern 2 – 3 Tage.

Da hier zu Lande die wenigsten Akupunkteure auch Imker sind und sich mit „frischen, sauberen Bienen“ versorgen können, gibt es aber auch die Variante der Akupressur: Bienengift in Cremen eingearbeitet werden in die Akupunkte einmassiert.

Apitherapie und Ayurveda

Im Ayurveda gibt es eine ähnliche, und für uns wieder ungewohnte, herangehensweise an Gesundheit und Krankheit wie bei der TCM. Auch hier gibt es die Lebensenergie (Prana), es gibt die Chakren (Energiewirbel / Energiezentren) und es gibt die „Doshas“. Die drei Doshas sind die Grundkonstitutionen Vata, Pitta und Kapha. Diese können zu gering oder zu groß sein. 

Bienenpollen im Glas

Abgesehen von den Grundkonstitutionen gibt es die Prinzipien von Vata, Pitta und Kapha auch in Jahres- & Tageszeiten, bei der Ernährung usw. Im Ayurveda strebt man danach, die Konditionen auszugleichen, weil ein Ungleichgewicht Beschwerden und Krankheiten verursachen und fördern kann. Gibt es z.B. einen allgemeinen, oder auch nur aktuellen Kapha-Mangel, so versucht man mit Ernährung, Medikamenten (i.d.R. Pflanzlich) oder anderen Heilbehandlungen das Kapha anzuheben. Bienenprodukte sind in diesem Kontext folgendermaßen eingeordnet:

  • Vata: Pollen
  • Pitta: Bienengift und Propolis
  • Kapha: Honig, Gelée Royale (und Apilarnil)

Apitherapie und Homöopathie

Das Apitherapie und Homöopatie gut zusammen passen zeigt sich schon daran, dass es das Homöopatische Mittel aus der Honigbiene gibt: Apis mellifica.
Auch die Anwendungsform ist oft die selbe: das Zergehenlassen unter der Zunge.
Ansonsten gibt es bei dieser Kombination eher ein nebeneinander als ein miteinander.

Apitherapie im Alltag

Bienenwabe mit Biene

Vieles von der Heilkraft der Bienenprodukte haben unsere Vorfahren noch gewusst und angewendet. So findet sich Honig und Bienenwachs in vielen alten Hausrezepten wieder, z.B. bei Wickeln und Auflagen. Leider ist vieles aus der Volksmedizin in vergessenheit beraten.

Neuerdings interessiert sich die Wissenschaft wieder mehr für das Thema um daraus Wirkstoffe zu extrahieren. Doch das schöne an der Apitherapie ist, dass es im Grunde „Laienmittel“ sind, die jeder einfach und unproblematisch anwenden kann. Vielfältige Heilmittel ohne nennenswerte Nebenwirkungen. 

Eine Ausnahme macht hier das Bienengift, das sollte man sich schon von einem Fachmann, oder einer Fachfrau verabreichen lassen. 

Und die Natur hat noch immer das beste Rezept. Warum auf ein Extrakt zurück greifen, wenn im Original viel mehr gute Stoffe drin sind? Und auch hier gilt: je frischer und unbehandelter, um so besser. Gute Qualität vorrausgesetzt.

Bei all den Vorteilen bleibt natürlich festzuhalten, dass Bienenprodukte kein Allheilmittel sind. Und sie erstzen auch keinen Arzt, vor allem nicht bei akuten Beschwerden. Aber sie sind wie vieles in der Naturheilkunde eine gute Ergänzung zu einer bestehenden Behandlung und spielen ihre Vorteile gerade da aus, wo die Schulmedizin ihre Schwächen hat: bei der allgemeinen Unterstützung der Selbstheilungskräfte, in der Prävention und bei chronischen Beschwerden.
Gerade Honig ist viel mehr als ein Süßungs- oder Nahrungsmittel. Es ist richtiges Superfood. Zu den einzelnen Bienenprodukten kommt noch mehr in einzelnen Blogs. Hier nur einmal ein paar Rezepttitel um die Breite der Anwendungsmöglichkeiten an zu deuten:

  • Zitronen-Honig-Saft bei Bronchitis
  • Honig-Olivenöl-Balsam bei Blutergüssen und Prellungen
  • Honig-Maske gegen Hautunreinheiten
  • Pollen-Honig-Tee gegen leichte Depressionen
  • Pollen-Cocktail mit Kakao für ein besseres Gedächtnis
  • Pollen-Honig-Wein gegen sexuelle Schwierigkeiten
  • Bienenwachs-Propolis-Anwendung bei Heuschnupfen und Sinusitis
  • Bienenwachs-Auflagen bei kleinen, oberflächlichen Wunden
  • Bienenbrot-Honig-Mischung bei starken Verdauungsbeschwerden
  • Propolis-Butter bei Atemwegserkrankungen
Biene mit Pollen an den Beinen vor einer Blüte
  • Bienenbrot-Wein-Apilarnil-Mischung gegen Unfruchtbarkeit
  • Gelée Royale-Honig-Bienenbrot-Tee bei Anämie (Blutarmut)
  • Gelée Royale-Honig-Pollen-Tee für geistige, kognitive Fähigkeiten, Gedächtnisstärkung

Weiter führende Informationen

Filmtipp:

  • Medizin in fernen Ländern: Rumänien – Heilsame Bienen (arte 2015) YouTube

 

Buch- und Literaturtipps:

  • Sanft heilen mit Honig, Propolis und Bienenwachs, Dr. med. Stefan Stangaciu, Trias-Verlag, 978-3-83048060-0
  • Das große Buch vom Oxymel – Medizin aus Honig und Essig, Gabriela Nedoma, Aesculus Verlag, 978-3-96443-511-8
  • Honig – Die Heilkraft aus der Wabe, Wolfgang Gleißner, Jörg Hasenbein, Annette Kerckhoff, KVC-Verlag,
  • Natur und Medizin, Nr. 2 März/April 2020, KVC-Verlag, Seiten 9-12

 

Links

Bei weiteren Fragen zur Apitherapie und deren Verwendung nimm einfach Kontakt zu mir auf. 

Gerne auch, wenn Du weitere Fragen hast zur Aromatherapie im Alltag, ätherischen Ölen, einen gesunden Lebensstil, oder der Frage, wie man damit Geld verdienen kann.

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